Diese Mischung aus analytischer Arbeit und tatsächlicher Wirkung ist für mich das, was den Job sinnvoll macht. Dr. Jan-Philipp Kramer Dr. Jan-Philipp Kramer ist Partner bei Prognos und leitet das Brüsseler Büro der Prognos AG. Im Gespräch erzählt er, was Beratung im öffentlichen Sektor für ihn bedeutet, wie sein Arbeitsalltag aussieht – und warum er seit über 15 Jahren dabei ist. Jan, du hast für das E-Fellows-Buch „Perspektive Unternehmensberatung“ einen Beitrag über Public Sector Consulting geschrieben. Wenn du es jemandem in einem Satz erklären müsstest – was würdest du sagen?In einem Satz ist schwer … Ich würde sagen: Wir helfen öffentlichen Auftraggebern, gute Entscheidungen zu treffen – und Wandel, Transformation und Fortschritt auch wirklich umzusetzen. Das kann eine Strategie sein, eine Evaluierung, ein Förderprogramm, oder wir sind ganz konkret vor Ort, in Geschäftsstellen oder Kompetenznetzwerken.Viele kennen Unternehmensberatung vor allem aus der Wirtschaft. Was ist bei Prognos anders?Im Handwerkszeug sind wir uns ziemlich ähnlich – wir analysieren, entwickeln Strategien, begleiten Veränderungsprozesse. Der Unterschied liegt eher darin, für wen und wie wir arbeiten. Wir orientieren uns stark am sogenannten policy cycle – das merkt man besonders deutlich, wenn man mit Bundes- oder Landesministerien arbeitet, aber auch bei europäischen Institutionen wie der EU-Kommission.Eine klassische Strategieberatung schaut meistens: Wie wird dieses eine Unternehmen erfolgreicher? Bei uns geht es eher um Fragen wie: Wie gelingt die industrielle Transformation? Wie wird Verwaltung digitaler? Wie werden Regionen wettbewerbsfähiger? Also gesamtgesellschaftlich gedacht.Was reizt dich persönlich daran?Ehrlich gesagt am meisten der Footprint, den unsere Arbeit hinterlässt – der reicht oft weit über die beratende Institution hinaus. Wenn wir an Konzepten für die Energiewende oder die Digitalisierung von Verwaltungen arbeiten, merkt man: Das betrifft am Ende ganz viele Menschen, nicht nur einen Auftraggeber. Diese Mischung aus analytischer Arbeit und tatsächlicher Wirkung ist für mich das, was den Job sinnvoll macht.Für wen arbeitet ihr konkret?Das Spektrum ist ziemlich breit – von der kommunalen Ebene über Landes- und Bundesbehörden bis hoch zur EU, also EU-Kommission und Europäische Investitionsbank. Dazu kommen Institutionen mit halb-öffentlichem Auftrag, Wirtschaftsförderungen, IHKs, Verbände, manchmal auch Gewerkschaften. Es ist also nicht „das eine Ministerium,“ mit dem man es zu tun hat, sondern ein ziemlich vielschichtiges Feld an Auftraggebern. Dr. Jan-Philipp Kramer im Austausch mit europäischen Entscheiderinnen und Entscheidern, Clusterorganisationen und Innovationsakteuren auf der S3 CoP-Konferenz 2026 in Brüssel. (Bild: Europäische Kommission)Kannst du ein Projekt nennen, das dich zuletzt besonders begeistert hat?Für mich persönlich war die Arbeit an der Implementierung der European Cluster Collaboration Platform (ECCP) eines der prägendsten europäischen Projekte der vergangenen Jahre. Im Rahmen des Projekts hatten wir die Möglichkeit, über 20 Regionen in ganz Europa und darüber hinaus intensiv kennenzulernen und vor Ort mit Unternehmen, Clustern, Forschungseinrichtungen und politischen Entscheidungsträgern zu arbeiten. Diese Reisen haben immer wieder deutlich gemacht, wie unterschiedlich die wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Ausgangsbedingungen in den europäischen Regionen sind. Gleichzeitig haben sie gezeigt, dass gerade diese Vielfalt eine zentrale Stärke Europas ist. Ob industrielle Transformation in Navarra, Energietechnologien in Vaasa, Luft- und Raumfahrt in Podkarpackie oder Innovation im Großraum Kopenhagen – jede Region verfügt über eigene Kompetenzen, Netzwerke und Entwicklungswege. Die wichtigste Erkenntnis war, dass Europas Wettbewerbsfähigkeit nicht trotz, sondern gerade wegen seiner regionalen Diversität entsteht. Erfolgreiche europäische Zusammenarbeit bedeutet daher nicht, Unterschiede zu nivellieren, sondern die jeweiligen Stärken sichtbar zu machen, miteinander zu verbinden und in gemeinsame Innovations- und Wertschöpfungsnetzwerke zu überführen.Was mich an solchen Projekten immer wieder begeistert, ist, dass wir wissenschaftliche Analyse mit ganz konkreten Handlungsempfehlungen verbinden – und dabei mit Leuten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenarbeiten, die alle einen anderen Blick auf das Thema haben.Du beschreibst ein sehr breites Themenspektrum in deiner Arbeit. Wie sieht das im Alltag aus?Ziemlich bunt gemischt, ehrlich gesagt. Am Montag sitze ich vielleicht in einem Termin zur Innovationskraft von Regionen – von Transfer aus Hochschulen zu Start-Up Ökosystemen bis zu internationalen Benchmarks, am Mittwoch geht es um Resilienz: robustere Lieferketten, Abbau strategischer Abhängigkeiten bei Energie oder Rohstoffen. Dazwischen Fachkräftesicherung, Klimaanpassung, KI. Am Anfang kann man das Gefühl haben, dass das überfordert – mittlerweile ist es aber das, was ich am meisten mag, weil vieles davon zusammenhängt und man ständig etwas Neues lernt.Welche Kompetenzen sollten Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger mitbringen?Fachliches Interesse hilft natürlich. Aber ehrlich gesagt sind mir Neugier und die Bereitschaft, sich in neue Themen reinzudenken, fast wichtiger. Unsere Teams sind sehr durchmischt – BWLerinnen und BWLer genauso wie Volkswirtinnen und Volkswirte, Politikwissenschaftlerinnen, Soziologen, Geografen, Ingenieurinnen, dazu immer mehr spezialisierte Masterprofile, etwa aus Sustainability oder Data Analytics. Unterschiedliche Perspektiven sind bei uns wirklich gewollt, weil sie zu besseren Lösungen führen.Was überrascht neue Kolleginnen und Kollegen häufig?Viele sind erstmal überrascht, wie unterschiedlich die fachlichen Hintergründe im Team sind – und wie früh man wirklich Verantwortung bekommt. Gleichzeitig merkt man schnell: Allein kommt man bei den komplexen Themen nicht weit, man ist auf den Austausch mit den anderen angewiesen.Gab es auch mal eine Phase, die schwieriger war oder etwas, das du unterschätzt hast?Sicherlich die Zeit während Corona. Im Projektgeschäft hat dies zu vielen neuen Aufgaben geführt und natürlich auch unsere Zusammenarbeit im Team deutlich verändert. Ich denke, wir haben uns insgesamt sehr gut angepasst damals und viele der Innovationen aus der Zeit begleiten uns auch noch heute. Zum Schluss: Warum sollte sich jemand, der auf der Jobsuche zwischen mehreren Beratungen schwankt, Prognos genauer anschauen?Weil man hier an Themen mitarbeitet, die wirklich etwas bewegen – und dabei wissenschaftliche Substanz mit echter praktischer Wirkung verbindet. Wer Lust hat, komplexe Fragen zu durchdringen und mit ganz unterschiedlichen Leuten an Lösungen zu arbeiten, die einen Footprint weit über das einzelne Projekt hinaus haben, ist bei uns richtig.Mehr über Dr. Jan-Philipp KramerDr. Jan-Philipp Kramer ist Partner bei Prognos und leitet das Brüsseler Büro. Der promovierte Wirtschaftsgeograph berät seit 2011 bei Prognos zu europäischer Förderpolitik, Strategieentwicklung und Transformationsthemen wie Digitalisierung und Circular Economy – für Kunden von der Europäischen Kommission bis zu deutschen Landesministerien. Der vollständige Beitrag zum Thema Public Sector Consulting ist im E-Fellows-E-Book „Perspektive Unternehmensberatung“ erschienen. Das E-Book kann nach kostenloser Anmeldung im E-Fellows-Netzwerk heruntergeladen werden. Haben Sie Fragen? Ihr Kontakt bei Prognos Dr. Jan-Philipp Kramer Partner, Leitung EU-Services Profil ansehen